Über das letzte Jahr habe ich nochmal alle Uncharted-Hauptteile durchgespielt via Nathan Drake- und Legacy of Thieves-Collection auf der PS5 und dachte, ich könnte die ja hier nochmal kurz aus einem „modernen“ Blickwinkel besprechen.
Uncharted - Drake’s Fortune
Dazu hab’ ich mich ja bereits etwas ausführlicher geäußert. Super kurz und dabei immer noch repetitiv und gefühlt inhaltlich unfertig. Grafisch auch heute noch ansehnlich, mit einigen interessanten Schauplätzen und die cinematische Inszenierung sowie die drei Hauptfiguren sind sympatisch. Die Story ist aber echt kein Hit und präsentiert statt Originalität lieber Logiklöcher. Das Spiel hat einen simplen Charme und ist inzwischen für mich recht nostalgisch. Alles in allem hat mich Drake’s Fortune nie so recht begeistert, so dass mich der Erfolg der Reihe basierend auf diesem Spiel eher etwas verwundert. Bei fünf bis sieben Stunden Spielzeit kann man das aber trotzdem machen, um die zentralen Figuren kennenzulernen, wenn man in die Serie einsteigen will.
Uncharted 2 - Among Thiefs
Das ist das Spiel, bei dem meiner Meinung nach Naughty Dog wie wir es heute kennen erst geboren wurde. Uncharted 2 ist in praktisch allen Belangen massiv besser als der Vorgänger. Was aber für mich heraussticht, ist neben der damals technisch beeindruckenden, vor allem die künstlerisch brillante visuelle Umsetzung, mit interessanten Landschaften und pittoreskem Lichteinsatz. Aber auch wie Kunst selbst in der Spielwelt dargestellt wird. Wenn man eine Affinität vor allem für Architektur, bildende und handwerkliche Kunst hat, gibt es in der Serie ab hier viel zu genießen und sie werden zu echten kleinen virtuellen Urlauben.
Spielhistorisch noch schwerer wiegt jedoch vermutlich die komplette Hinwendung zu und die schiere Qualität der filmhaften Inszenierung. Ich mag das nicht mehr ganz richtig rekapitulieren, doch waren Videospiele davor schon so kinoreif inszeniert? Heute sind es gefühlt alle Triple-A-Produktionen.
Among Thieves ist auf jeden Fall ein rundes, spektakuläres Action-Abenteuer, dass beim Gunplay weiterhin nicht vollends überzeugt und zum Ende auch etwas zum Dauergeballer ausartet. Lohnt aber auch heute noch.
Uncharted 3 - Drake’s Deception
Grafisch ist der Sprung nicht mehr ganz so gewaltig wie zwischen den beiden Vorgängern. Doch was ich über die künstlerischen Vorzüge von Uncharted 2 gesagt habe, gilt auch hier. Immer noch eine Pracht.
Drake’s Deception will aber vor allem erzählerisch drauflegen, ist deutlich komplexer, mit mehr Figuren, Schauplätzen, Rückblenden und Beziehungen… und scheitert dabei leider. Zu oft passieren Dinge, die wenig bis keinen Sinn ergeben. Einige Handlungsstränge sind geradewegs überflüssig. Ist nicht alles total furchtbar und es gibt auch schöne, denkwürdige Szenen. Doch insgesamt ist das schon sehr messy und frustrierend.
Dafür glänzt es spielerisch nochmal ordentlich (in Relation zur eigenen Reihe). Selbst narrativ schwache Abschnitte können nämlich visuell was hermachen wie der Schiffsfriedhof. Es wurde auch Wert auf mehr spielmechanische Varianz z.B. bei den Shootouts gelegt. Die finden mal in einem brennenden Haus, auf einem schwankenden Transportschiff, wobei sich die deckenden Container hin und her bewegen, in einem Sandsturm, beim Klettern in der Vertikalen oder auf Booten statt, wo man die Abstände schwimmend bzw. tauchend zurücklegen muss.
Uncharted 3 bietet auch die meisten Rätsel aller Serienteile. Die sind auch gut und teilweise visuell clever inszeniert. Das Schleichen taugt immer noch nicht und das Klettern ist auch hier nicht anspruchsvoll. Dafür gibt’s einmal mehr kinoreife Setpieces, die den Action Film-Fan in mir ein breites Grinsen auf’s Gesicht zaubern.
Gutes Spiel. Aber die Story zieht’s runter.
Uncharted 4 - A Thief’s End
Gilt vielen als der beste Teil. Doch als ich das zum Release gespielt habe, hat mich Uncharted 4 enttäuscht. Ich hatte mich in der Zwischenzeit ganz wahnsinnig in das Tomb Raider-Reboot von 2013 verliebt, das ich spielerisch für den bei Weitem besseren Titel halte. Die Walking-Simulator-Abschnitte fand ich recht quälend, das Klettern und die Ballereien wenig befriedigend und die Erkundung einfach nicht lohnenswert. Dazu hat sich die Story für meinen Geschmack etwas zu ernst genommen, Sam war mir nicht so sympathisch und der Twist gegen Ende hat viel potenzielle Dramatik aus dem Plot genommen.
Jetzt, nach fast zehn Jahren hat sich meine Meinung praktisch umgekehrt und ich habe diesen erneuten Durchgang sehr genossen.
Erst einmal: Uncharted 4 sieht immer noch fantastisch aus. Jetzt, auf der PS5 in 60fps, HDR, auf einer großen Leinwand war das eine Wonne für die Augen, die selbst in wenigen aktuellen Spielen echte Konkurrenz finde, weil das hier künstlerisch einfach Peak-Naughty Dog ist. Die Locations sind allesamt der Wahnsinn, gerade zum Ende hin. Diese unglaublichen Details und Farben, das Licht, die Wettereffekte… Jeder Stein wirkt sorgfältig platziert. Ein absoluter Traum. Das hat auch die Erkundung diesmal enorm aufgewertet. Mir ging es nicht mehr um die Fundstücke, sondern darum die Schauplätze so umfassend wie möglich aufzusaugen. Ich habe auch noch nie so oft in einem Spiel mit dem Foto-Modus rumexperimentiert. Das hat bestimmt ein Viertel der Spielzeit dieses erneuten Durchgangs ausgemacht.
Sam fand ich diesmal auch ansprechender, nicht zuletzt weil ich auch selbst einen älteren Bruder habe und ihre Beziehung gut nachvollziehen konnte. Der anfänglich klischeehaft wirkende Bösewicht ist auch interessanter und tiefer als man meinen mag. Sully ist sowieso der Beste. Und Elena ist wohl die einzige Videospielfrau, bei der ich jemals gedacht habe „Boah, die würde ich auch heiraten.“ (der Name stand auch in meiner ganz engen Auswahl für unsere Tochter, aber es kam dann doch anders
)
Die Story ist insgesamt geerdeter, ohne fantastische Elemente. Und das immer noch eher rudimentäre Schleichen funktioniert diesmal auch wirklich und stellt für Stealthfans wie mich zwischendurch eine valide Option und dementsprechend nette Abwechslung dar.
Was allerdings schon immer geil war und sich auch nach fast zehn Jahren nicht geändert hat: Die fetten Action-Setpieces sind immer noch Videospielreferenz und der Epilog ist, wenn man bis hierhin alle Teile mitgemacht hat, schlichtweg P.E.R.F.E.K.T.!
Alles in allem würde ich inzwischen auch sagen, dass A Thief’s End mein liebster Teil der Reihe ist.
Ein paar kurze allgemeine Bemerkungen zum Abschluss:
Ich habe alle Teile auf leicht gespielt und das ist auch meine Empfehlung (die ich einst selbst von dritter Stelle bekommen habe) für alle, die die Uncharted-Spiele nochmal nachholen wollen. Trotz steter Verbesserungen, ist das Gunplay, auf welches sich der Schwierigkeitsgrad am meisten bezieht, nie wirklich präzise. Die Gegner vertragen auf den höheren Stufen vor allem mehr Kugeln. Diese Kombination macht die Gefechte meiner Meinung nach oft frustrierend. Sich auf leicht ohne große Probleme durchzuballern ist deutlich vorteilhafter für das Pacing und zahlt stark auf das Gefühl ein, einen interaktiven Action-Abenteuer-Film zu spielen.
Das Gameplay bleibt eigentlich in allen Aspekten seicht. Uncharted ist im Kern ein stark geführter Story-Shooter. Die Rätsel sind klassisch und funktionieren gut. Gerade bei den Kletterpassagen und den Shootouts hätten die Spiele allerdings systemischer sein und Animationdetails für besseres Spielgefühl und spielmechanische Immersion einsparen können.
Die englische Synchro ist sicher toll. Ich habe die Reihe jedoch schon immer auf Deutsch gespielt und die Synchro ist ebenfalls makellos exzellent. Klare Empfehlung/Entwarnung.
The Lost Legacy habe ich für diesen Re-Run nicht nochmal nachgeholt, weil das bei mir noch relativ frisch war. Ich erinnere mich aber, dass das zu meinen Favoriten gehörte. Das kann man nach Teil 4 bedenkenlos noch mitnehmen.
Alles in allem mag ich die Reihe, weil ich auch deutlich die Zielgruppe bin. Ich kann mir vorstellen die Hauptteile alle paar Jahre wieder durchzuspielen. Ich würde sie dennoch nicht maßlos in den Himmel hypen wie es früher getan wurde. Man muss schon wissen und akzeptieren wo die Stärken und Schwächen liegen, um die Erwartungen geradezurücken. Dann kann man sie auch entsprechend gut genießen.
Ich glaube zwar nicht dran, würde mich aber dennoch freuen, wenn Naughty Dog Uncharted irgendwann nochmal fortsetzt. Chloe oder Cassie würden sich ja prima für die Hauptrollennachfolge anbieten.