Trails in the Sky 1st Chapter
Das Remake des ersten Teils meiner sehr geschätzten Legend of Heroes-Reihe ist wirklich hervorragend gelungen. Es modernisiert die richtigen Elemente, bleibt aber gleichzeitig klassisch und versetzt sowohl Neueinsteiger als auch Veteranen ohne große inhaltliche Änderungen zurück an den Anfang der Serie.
Die größte Veränderung betrifft natürlich die Grafik: weg von der isometrischen Perspektive mit den knuffigen Figuren hin zu einem modernen Anime‑JRPG‑Stil. Und ich muss sagen, das ist tatsächlich der bisher hübscheste Teil der Reihe. Der Stil ist bunt, farbenfroh und sehr ansprechend. Die Animationen in normalen Sequenzen wirken manchmal etwas steif, da alle Figuren die gleichen Bewegungsmuster nutzen, aber in Zwischensequenzen und bei Spezialangriffen im Kampf sehen die Animationen richtig schick aus.
Spielerisch wurde das Kampfsystem an einigen Stellen modernisiert, bleibt aber im Kern das gleiche wie im Original, nur mit ein paar sinnvollen Verbesserungen. Die Zahlenwerte wurden nach oben geschraubt, was spielerisch aber kaum einen Unterschied macht.
Die größte Neuerung ist das Echtzeit‑Kampfsystem, das man aus den neueren Teilen der Reihe kennt. Es ist sehr rudimentär und besteht im Wesentlichen aus Zuschlagen, Ausweichen und einem Spezialangriff, wenn die Leiste voll ist. Ziel ist es, Gegner in einen „Betäubt“-Status zu bringen, um im eigentlichen rundenbasierten Kampf eine Bonusattacke zu erhalten. Der rundenbasierte Kampf funktioniert ähnlich wie im Original, nur mit Detailänderungen: Boni halten sich strenger an die Zugreihenfolge, kritische Treffer schalten individuelle passive Charakterboni frei, und nach kritischen Angriffen sind jetzt gemeinschaftliche Bonusangriffe in verschiedenen Stufen möglich, die die ganze Gruppe einbeziehen. Das bringt ein paar Nuancen mit sich, aber die Kämpfe sind grundsätzlich gut meisterbar, gehen meist schnell, auch wenn manche Gegner etwas zu viele Lebenspunkte haben. Nur bestimmte Bossgegner werden etwas anspruchsvoller.
Das große Progressionssystem ist wieder das sogenannte Orbment‑System, bei dem man verschiedene Elementarquarze in unterschiedliche Steckplätze setzt. Jeder Quarz erhöht bestimmte Werte wie Stärke oder Verteidigung, manche geben passive Boni. Dazu kommen Elementarwerte, und je nachdem, wie viele Elemente man auf einer Linie hat, schaltet man unterschiedliche Zauber frei. Das System ist weniger komplex als in späteren Teilen, aber wenn man ein paar grundlegende Dinge beachtet, kann man die Charaktere effizient für die Kämpfe aufbauen. Wer darauf keine Lust hat, kann das Ganze auch automatisieren.
Bei Story und Pacing zeigt das Remake die üblichen Stärken und Schwächen der gesamten Reihe. Das Pacing ist recht langsam, und es dauert, bis die Handlung in Fahrt kommt – was aber auch daran liegt, wie das Spiel strukturiert ist. Im Grunde läuft jedes Kapitel ähnlich ab: Man kommt an einen neuen Ort, lernt die Gegebenheiten kennen, trifft neue Figuren, die vorübergehend Partymitglieder werden, und irgendwann kommt es zum großen Vorfall, der die Fäden langsam zusammenführt. Das ist grundsätzlich gut gemacht, aber manchmal sind die Dialoge etwas zu ausufernd.
Die große Stärke ist wie immer das Worldbuilding. Es gibt so viele schöne kleine Details, und die Welt ist logisch und liebevoll aufgebaut. Das ist und bleibt das ganz Besondere der Reihe.
Abgesehen von den offensichtlichen Änderungen bleibt das Remake sehr nahe am Original. In der Handlung sind mir keine Änderungen aufgefallen, höchstens ein paar kleine Details, die sich auf Dinge beziehen, die erst viel später in der Reihe eine Rolle spielen – etwa bestimmte Figuren, die auf einem Bild zu sehen sind.
Beim Soundtrack hat man die Auswahl zwischen dem Original, dem neu arrangierten Remake‑Soundtrack oder der Version aus der Japan‑exklusiven erweiterten Fassung des Originals. Persönlich bevorzuge ich letztere, aber das ist reine Geschmackssache. Der Soundtrack ist insgesamt richtig gut gelungen und hat einige eingängige Stücke.
Neu ist diesmal auch die Synchronisation. Man kann zwischen japanischen und englischen Stimmen wählen. Die englischen Sprecher sind solide, auch wenn keine herausragenden Leistungen dabei sind.
Zum ersten Mal gibt es auch deutsche Texte, und soweit ich das beurteilen kann, sind diese gut gelungen.
Insgesamt also ein richtig starkes Remake, das genau das macht, was ein Remake machen sollte: Es holt Neueinsteiger ab, und Veteranen bekommen eine hübsche neue Fassung.