Ich bin auch eher für Qualität als Quantität. Und die SF und SFF Hauptfolgen konnten mich 2025 überzeugen. Pirates steht da zurecht ganz oben. Das ist eine großartige Remaster Folge geworden. Aber insbesondere die ESUG Folgen sind eine tolle Ergänzung (teilweise auch schon mehr als das) im Portfolio.
Aber natürlich zu Einordnung: ich bin auch Unterstützer und das Programm darin erweitert es so reichhaltig, dass das Fehlen einer Hauptfolge weniger ins Gewicht fällt. Auch bin ich auf beiden Cons in Karlsruhe gewesen und hab mir Hannover zeitversetzt im Stream angeschaut. Und da merkt man natürlich wie viel Arbeit in inhaltliche Vorbereitung gesteckt hat, aber wie es das auch Wert war im Sinne qualitativ hochwertiger Beiträge. Und damit hat sich für mich dieses SF Jahr bisher qualitativ nicht negativ niedergeschlagen, im Gegenteil: wie es auch im WWS erwähnt wurde: es wurde zwar auch nichts radikal neues gemacht, aber viele kleine Änderungen und Ergänzungen, sowie auch eingeschliffenere Podcasts (Monster Menagerie hat sich zu einem meiner Lieblingsunterstützerformate etabliert) führen bei mir weiterhin eher zu einem positiven Urteil, ob nun mit oder ohne weniger Hauptfolgen.
Ich kann dem Tenor nachvollziehen, wenn man weder Unterstützer noch Con Teilnehmer ist, dass einer das Gefühl hat etwas weggenommen zu bekommen. Und wenn man es nur an Zahlen ausmacht stimmt das sogar, in Anzahl Folgen oder vielleicht auch Anzahl Minuten (nicht nachgemessen, aber vermutlich so sein). Nur, sind wir hier wirklich weiter im Zeitschriften Zeitalter der frühen 2000er? Wo an jedes Spiel erstmal ne sich überschlagende Zahlenwucht präsentiert wird: ölf Charaktere, drölfzig Waffen, 2 Fantastilliarden Gegenstände, etc. pipapo. Wer sagt denn dass mich Charakter ölf überhaupt noch interessiert oder ob jede Ecke in einer riesigen prozedural genierten Welt es wirklich Wert ist gegenüber einer deutlich kleineren, aber mehr Aufwand gestalteten Welt. Daher das klar: lieber weniger und qualitativ recherchierte Folgen als eine hingerotzte Folge.
Viele der kritischen Kommentare waren natürlich differenzierter und gingen auch auf Qualität ein. Und natürlich den berechtigten Einwand, ob denn vielleicht der Fokus “falsch” sei. Aber ich hab das Gefühl am Ende bleibt die Zahl hängen und die verfängt sich auch im Urteil und Gefühl etwas weg oder weniger bekommen zu haben. Nicht erst seit Kahnemann wissen wir dass das Gefühl es weggenommen zu haben deutlich schwerwiegender ist als das Gefühl etwas versprochenes doch nicht zu bekommen. Wobei ich ja eher sagen würde, dass wir es hier mit letzteren Fall zu tun haben, ich aber den Eindruck habe, dass viele das eher als den “weggenommen” Fall einordnen.
Ich würde das eher so sehen: bzgl. dem Fokus entwickelt SF sich einfach weiter. Etwas, was bei anderen redaktionellen Podcasts auch passiert (the Pod) und das auch nicht immer zu Freude aller (“ich will alles so, wie es früher war und wie ich es kennengelernt habe”). Natürlich darf man das kritisch begleiten, nicht immer bewegt man sich dabei auch in eine “gute” Richtung (“gut” z.T. im Auge eines individuellen Betrachters). Und das kann auch mal bedeuten, dass sich Dinge wieder in andere Richtungen bewegen. Daher finde ich bei alle, meiner Meinung etwas überzogener Kritik und auch meiner eher positiven Eindruck auf das SF Jahr 2025, dass man die Kritik im Kern auch Ernst nehmen kann und muss. Was aber nicht heißt, dass man deswegen auch alles gleich ändern muss. Und Änderungen wird es auch geben, mit Sicherheit. Und das ist auch gut und richtig so. Nur, wer neue Sachen ausprobiert kann daran wachsen, auch wenn man mal “scheitert”.
Ich finde es daher sehr löblich, dass Chris und Gunnar sich auch selbst dazu kritisch äußern und sagen: wir wollen ja mehr. So ein selbstkritischer Umgang ist nicht selbstverständlich. Das gilt auch für die Reaktionen hier bei dem ich auch nicht den Eindruck habe, dass das auf Rechtfertigungsdruck gebaut, sondern auf eine nüchterne Einordung der Argumente, insbesondere, wenn sie auf bewussten oder unbewussten Annahmen basierten. Eine solche Kommunikation würde ich mir viel häufiger Wünschen, ob nun allgemein in Foren oder als Austausch zwischen Content Creatoren und deren Publikum.