Ich habe erst 7 Stunden gespielt, bin noch keinem Lager beigetreten und befinde mich damit noch ziemlich am Anfang.
Gesehen habe ich das alte Lager und das Sumpflager.
Das Gothic Feeling von damals kickt sofort. Ich hätte nicht gedacht, wie gut sich die Atmosphäre trotz der neuen Sprecher anfühlt. Das war eine meiner größten Sorgen. Tatsächlich vermisse ich bisher aber keinen Original-Sprecher. Xardas und der Namenlose haben Ihre Sprecher (Bodo Henkel und Christian Wewerka) zudem behalten.
Die Musik von Kai Rosenkranz trägt ebenfalls enorm bei.
Die Welt ist nach meinem Eindruck größer geworden und es gibt um die Lager herum Neues zu erkunden. Das Erkunden fand ich bisher recht belohnend. Das sich die Welt dabei als recht tödlich erweist trägt ebenfalls zur Spannung bei.
Bisher würde ich besonders die Tauchfähigkeiten des Helden und den Meeresabschnitt hinter dem Sumpflager hervorheben. Hier kann man auch ein paar Klippen erklettern.
Ich meine damit (noch) nicht den neuen Klettern-Skill. Es ist an vielen Stellen möglich auch ohne diesen Skill auf ähnliche Weise zu “klettern”, wie im Original. Der Klettern-Skill wird es dagegen ermöglichen bestimmte Steilwände zu erklimmen. Das sind Stellen, wie man sie bspw. aus den neueren Tomb Raider-Spielen oder der Star Wars: Jedi-Reihe kennt.
Gothic-Veterenen werden sich wahrscheinlich erinnern, dass man früher - ohne das es einen Nutzen gehabt hätte - den Scavenger-Grillspieß drehen konnte, Krautstampfer bedienen, usw. Die Entwickler haben so etwas überwiegend nur noch da eingebaut, wo es spielerisch Sinn ergibt. Ich kann mich zwar weiterhin auf Bänke und Stühle setzen - sitzend aber leider keinen Dialog beginnen ohne das der Held wieder aufsteht -, es gibt aber keine spielerisch nutzlosen Objekte mehr, die sich bedienen lassen.
Ich könnte mir vorstellen, dass manche das kritisieren würden. Ich finde diese Entscheidung hingegen folgerichtig. Das Spiel ist dadurch klarer lesbar, wenn ich nur Aktionen ausführen kann, die potentiell auch einen Mehrwert bringen.
Der Alchemietisch, der früher auch keinen Zweck hatte, scheint übrigens im Remake eine echte Funktion erhalten zu haben. Ausprobieren konnte ich das allerdings noch nicht. Mir fehlt die nötige Erfahrung, wie der Held wohl sagen würde.
Zum Kampfsystem kann ich aktuell noch nicht viel sagen. Es scheint möglich zu sein durch unterschiedliche Aneinanderreihung von Q, E sowie linker und rechter Maustaste Kombos auszuführen. Zumindest lassen sich diese Angriffe in bestimmter Reihenfolge flüssig und ohne Unterbrechung aneinanderreihen. Anderenfalls würde man Gegnern eine Lücke für Gegenangriffe bieten.
Ich habe das System aber noch nicht richtig durchstiegen. Die Kämpfe sind bisher auf dem von mir gewählten Schwierigkeitsgrad “Gothic” ziemlich schwer.
”Gothic” ist der Standard-Schwierigkeitsgrad. Es geht noch härter und auch leichter.
Immerhin schaffe ich inzwischen Molerats problemlos. Das fühlt sich für mich persönlich erstmal nach einer durchaus belohnenden Progression an. Es ist aber nach gerade einmal 10 ausgegebenen Lernpunkten (Ich will starker Schwertkämpfer werden
) viel zu früh das ernsthaft bewerten zu wollen.
Ich kenne das Original Gothic wirklich in- und auswendig. Das Original gilt vielen als schwer. Ich habe Gothic so oft durchgespielt, dass ich weiß, wie ich viele Kämpfe trotzdem schon recht früh bestehe. Das Remake hat für mich damit sehr deutlich Schluss gemacht. Vielleicht ändert sich das, wenn ich das Kampfsystem besser beherrsche. Im Augenblick bin ich aber sehr vorsichtig, bevor ich etwa in den Wald gehe.
Schon jetzt ist mir aufgefallen, dass bestimmte Gegner mir auf manche Felsen nicht folgen können, auf die ich klettern kann. Das ist gut um zu fliehen. Sobald ich mehr Schaden mit Pfeil und Bogen verursache, wird das wahrscheinlich aber ermöglichen Gegner leichter zu erledigen, die mich nicht erreichen können.
Aktuell ist es immerhin so, dass bspw. beschossene Wölfe nach zwei guten Treffern eilig die Flucht ergreifen. Ein unmittelbar tödlicher Treffer würde es natürlich aber ermöglichen auch mehrere Gegner gefahrlos auszuschalten.
Technisch wirkt das Spiel bisher sehr solide. Ich hatte nur zwei Abstürze, habe allerdings gelesen, dass es auf Rechnern aus dem mittleren Bereich der Systemanforderungen zu technischen Problemen kommen soll.
Grafisch macht das Spiel für meinen Geschmack richtig viel her. Die Entwickler haben den Stil des Originals ganz hervorragend getroffen. Das gilt nicht nur für Rüstungen und die Lager, sondern auch für die Welt und besonders ihre Wälder. Meine persönlichen Wünsche sind hier vollends erfüllt worden.
Ob das Spiel jetzt etwas für Leute ist, die das Original-Gothic nicht interessiert hat ist schwer zu sagen. Die Gründe dafür sind vermutlich sehr individuell.
Das Gothic Remake scheint mir in seiner Essenz bei Story und Atmosphäre dem Original zu gleichen.
Die Entwickler haben das Spiel jedoch insbesondere in Sachen Steuerung zugänglicher gemacht. Wer Wert auf moderne Bedienkonventionen legt findet sich im Remake definitiv leichter zurecht als im Ur-Gothic.
Zudem gibt es aktivierbare Optionen, die den Zugang je nach Spielgewohnheiten erhöhen können. Es gibt beispielsweise eine Option benutzbare Objekte und Items durch eine Umrandung hervorzuheben, wenn diese in den Fokus geraten. Selbst mit dieser Option aktiviert, kann man Gegenstände aber recht leicht übersehen. Die Spielwelt ist sehr detailliert. Das ist sehr schön anzusehen, macht es aber nicht immer leicht Items zu sehen. Das liegt auch daran, dass die aktivierte Umrandung eher dezent ausfällt.
Ich würde sagen, dass man sich auf das Spiel in gewisser Weise trotz solcher Optionen einlassen muss. Wenn man das tut und Wert auf eine sehr dichte und lebendig wirkende Atmosphäre sowie auf eine interessante Story-Erfahrung legt, würde ich aber sagen, dass es lohnend sein kann dem Spiel eine Chance zu geben. So ist zumindest mein Eindruck nach den eher überschaubaren sieben Spielstunden, die ich bis jetzt erreicht habe.