Final Fantasy VII Rebirth
Was für ein Brocken von einem Spiel! Über Mangel an Abwechslung kann ich mich nicht beklagen – am Ende habe ich knapp 140 Stunden investiert und dennoch nicht alle Inhalte abgeschlossen. Doch alle Kapitel auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad erneut zu spielen, das Piano-Minispiel zu perfektionieren und alle Kampfherausforderungen zu meistern, war mir dann doch zu aufwendig.
Am Ende habe ich jedoch sämtliche Nebenaufgaben erledigt und den Weltenbericht vervollständigt, nachdem ich Gilgamesh besiegt habe. Es war wirklich eine spaßige Reise, die manchmal etwas zu sehr ausgeufert ist. Das Spiel ist relativ linear strukturiert: Man bewegt sich von Gebiet zu Gebiet und kann neben der Hauptaufgabe eine Menge Nebentätigkeiten erledigen. Diese reichen von normalen Nebenquests über das Erlegen bestimmter Monster bis hin zu den üblichen Aufgaben wie dem Erklimmen von Türmen, um die Karte aufzudecken.
Die Nebenaufgaben nehmen den Großteil der Spielzeit ein und umfassen die üblichen Dinge, die man erwartet. Sie sind jedoch teilweise nett eingerahmt. Der Großteil davon beschäftigt sich mit verschiedenen Minispielen, von denen es insgesamt 28 gibt, wenn man den Zahlen im Internet glauben darf. Diese Minispiele sind tatsächlich sehr abwechslungsreich gestaltet: Es gibt diverse Rhythmusspiele, ein Rennspiel, ein Boxspiel, ein Shoot 'em Up und Taktik- bzw. Strategiespiele. Das Highlight ist aber definitiv „Queens Blood“, ein Sammelkartenspiel mit einem recht simplen Grundregelwerk, das jedoch nach und nach immer komplexer wird. Auch wenn man sich relativ früh ein Deck zusammenstellen kann, mit dem man etwa 85% der Duelle bzw. Herausforderungen gewinnen kann, bleibt das Spiel spannend.
Das Kampfsystem ist ähnlich wie beim Vorgänger wieder ein Actionkampfsystem mit diversen taktischen Einflüssen. Das bedeutet in erster Linie, dass man versucht, durch Angriffe und Blocken die eigene sogenannte ATB-Leiste aufzufüllen, um Fertigkeiten, Magie und Gegenstände einsetzen zu können. Diese Leiste füllt sich am schnellsten bei den Charakteren, die man selbst steuert, und insgesamt sind immer drei Charaktere an einem Kampf beteiligt. Daher wechselt man oft die Figuren, um die ATB-Leiste aufzubauen und die richtigen Fähigkeiten einzusetzen. Das geht alles gut von der Hand und sieht auch spektakulär aus, ich hätte mir jedoch gewünscht, dass man mehr taktischen Einfluss auf das Verhalten der vom Computer gesteuerten Figuren nehmen könnte, um besser zu agieren.
Im Vergleich zum Vorgänger gibt es nur wenige Verbesserungen und Unterschiede. Neu hinzugekommen ist, dass man mit seinen Mitstreitern diverse Konteraktionen ausführen kann, wenn man die Blocktaste gedrückt hält. Ich fand das System jedoch weniger gut gelungen und oft nicht gut lesbar, wann man die Konteraktionen am besten einsetzen soll. Es gibt jetzt auch sogenannte Synchronaktionen, bei denen man mit einem seiner Mitstreiter besondere Attacken starten kann, um diverse Buffs zu erhalten.
Man kommt relativ gut durch die meisten Kämpfe, und in der Haupthandlung wird es nur selten fordernd. Die wahren Herausforderungen lauern in den diversen Kampfaufgaben in den Nebenquests oder in den Arenen. Manche davon sind stressig und eher nervig, aber andere durchaus spaßig. Um hier zu bestehen, muss man sich jedoch tiefer mit dem Kampf- und dem Materia-System auseinandersetzen. Materia sind Kugeln, die man in seine Ausrüstung einsetzen kann und die bestimmen, welche Magie man einsetzen kann. Sie geben einem diverse Fertigkeiten bzw. Boni, was Angriffskraft und Verteidigung anbelangt. Man kann hier relativ gut optimieren, aber leider ist es relativ nervig, diese auszutauschen, da sich bestimmte Konstellationen von Figuren und Materia besser für verschiedene Kämpfe eignen. Hier hätte ich mir ein System gewünscht, in dem man seine Lieblingskombinationen abspeichern und wieder laden kann, um einfacher durchwechseln zu können.
Die Handlung dümpelt etwas zu sehr vor sich hin, und gefühlt ist man meist etwas ziellos unterwegs. Es geht einfach nur von Ort zu Ort. Hin und wieder gibt es zwar durchaus gute Szenen, besonders was die Charakterentwicklung betrifft, aber es hätte für meinen Geschmack etwas schneller vorangehen können. Dank des Ablaufs des Spiels und der vielen Nebenaufgaben fühlt sich vieles etwas gestreckt an. Trotzdem mochte ich es insgesamt und die Truppe, mit der man unterwegs ist, hat mir sehr gefallen. Am Ende wird es dann wirklich wirr und geht in eine Richtung, die vielen nicht gefallen dürfte. Ich persönlich hatte jedoch kein Problem damit.
Auch wenn ich das Original FF7 nie wirklich gespielt habe, kenne ich doch die grobe Story und man merkt, dass einiges geändert wurde. Das ist sicherlich diskussions- und interpretationswürdig und hat mir in dieser Richtung auch gut gefallen. Wie es am Ende wird, kann jedoch nur das Finale dieser Remake-Trilogie beantworten.
Technisch habe ich bei dem Spiel nichts zu beanstanden. Es sieht grafisch sehr schick aus, läuft flüssig und mir sind keine Bugs aufgefallen. Was ich besonders hervorheben möchte, ist der Soundtrack, der einfach nur fantastisch ist. Diverse Neuinterpretationen bekannter Final Fantasy Melodien sowie tolle neue Stücke begegnen einem an überraschenden Orten wie Nebenquests oder in den Minispielen. Ich war wirklich sehr davon angetan. Die englischen Synchronsprecher machen ihren Job auch sehr gut, nur die deutschen Untertitel sind zum Teil etwas irritierend, da sie sich manchmal relativ stark vom Gesagten unterscheiden oder eigene Witze machen.
Insgesamt ist es aber ein wirklich tolles Spiel, das mich viele Stunden gut unterhalten hat, auch wenn es etwas zu ausufernd wurde.