Habe Kathy Rain 2: Soothsayer durchgespielt.
Hat Spaß gemacht, gefiel mir aber weniger als der erste Teil. Das lag zum großen Teil am Writing, das mich nicht voll überzeugt hatte. Die Geschichte an sich ist interessant konstruiert, aber nicht besonders gut erzählt. Charaktere entwickeln sich nicht weiter, Personen werden seltsam eingeführt, Dialoge wirken irgendwie platt, und es scheint an Recherche zu fehlen. Beispiel: Einmal sagt Kathy den Satz: “Na toll, er hat das Gemüt eines Vierjährigen mit einer Empathiestörung.” Dabei ist Empathie bei vierjährigen Kindern noch nicht entwickelt und kann daher nicht gestört werden.
Ich mag Kathy als Charakter, aber der zweite Teil macht sich so viel Mühe, bei jeder Gelegenheit zu zeigen, wie badass sie doch ist, dass es ermüdend ist. Außerdem fand ich das Ende etwas verworren, obwohl ich vor dem Spiel noch Kathy Rain 1 durchgespielt hatte. (Und das sollte man auf jeden Fall tun, denn sonst versteht man am Ende von Soothsayer nur Bahnhof.)
Mir waren die Rätsel auch viel zu einfach. Einerseits fand ich es cool, wie Kathy mich immer wieder mit dezenten Hinweisen auf die Lösungen gebracht hat, andererseits fehlten mir Aha-Erlebnisse, die ich bei Adventures so schätze, und die nur auftreten, nachdem man vor der Lösung etwas festhängt. Soothsayser wirkt eher wie eine Visual Novel als wie ein Puzzle-Adventure.
Noch eine Sache, die mich gestört hat, waren die zusätzlichen Grafiken. In Dialogen sieht man die Personen in Nahaufnahme, es gibt viele Zwischensequenzen etc. An sich eine coole Idee, aber die Charaktere sahen dabei für mich selten konsequent aus. Vor allem Kathy hatte gefühlt in jeder Zwischensequenz ein anderes Aussehen.
Aber aller Kritik zum Trotz – Kathy Rain 2 gehört mit zu den spannendsten Mystery-Adventures der letzten Jahre und sollte von den Fans des Genres gespielt werden.




