Pragmata
Das neue Spiel von Capcom, und ich muss sagen: Es fühlt sich durchgehend wie ein klassisches Capcom‑Spiel an.
Die Handlung ist eher klassische Science‑Fiction. Die Hauptfigur Hugh reist für eine Inspektion zu einer Mondbasis und muss feststellen, dass eine durchgedrehte KI die gesamte Besatzung ausgelöscht hat. Dort findet er das Androidenmädchen Diana, und gemeinsam machen sie sich daran, das Problem zu lösen.
Storytechnisch ist das nichts Besonderes, auch wenn es nett erzählt wird. Das eigentliche Highlight liegt klar in der Beziehung zwischen Hugh und Diana. Diana ist kindlich, neugierig, stellt Fragen und macht niedliche Dinge – das ist alles sehr liebevoll umgesetzt. Dadurch wächst sie einem sofort ans Herz und weckt den Beschützerinstinkt.
Glücklicherweise ist sie im Gameplay aber kein störender Faktor, und man muss sie nicht direkt beschützen. Stattdessen sorgt sie für einen interessanten Twist im Third‑Person‑Shooter‑Gameplay.
Das Besondere am Spiel ist nämlich, dass die verschiedenen Robotergegner anfangs nicht wirklich verwundbar sind. Diana muss sie zuerst hacken. Das geschieht in einem integrierten Minispiel, bei dem man ein Quadrat über ein Gitternetz zu einem bestimmten Punkt steuert, um die Gegner verwundbar zu machen. Auf dem Weg dorthin sollte man möglichst Extrafelder mitnehmen, die entweder den verwundbaren Zustand verlängern oder zusätzliche Effekte auslösen, etwa dass sich Gegner gegenseitig angreifen oder betäubt werden.
An diese Mechanik muss man sich zunächst gewöhnen, da sie in Echtzeit abläuft, während man gleichzeitig angegriffen wird. Man muss also seine Aufmerksamkeit zwischen Ausweichen und Hacken aufteilen. Grundsätzlich funktioniert das aber wunderbar und macht auch Spaß. Dazu kommen diverse Waffen und Werkzeuge, die unterschiedliche Taktiken ermöglichen.
Das Spiel ist klassisch in größere, eher geradlinige Level unterteilt. Neben Gegnern gibt es Geschicklichkeitsabschnitte und kleine Rätsel. Das funktioniert alles sehr gut, und man hat sich Mühe gegeben, die Abschnitte abwechslungsreich zu gestalten. Auch wenn eine Raumstation naturgemäß etwas steril wirkt, gibt es hier Bereiche wie Teile einer Großstadt, die aus einer Art 3D‑Drucker stammen, oder Abschnitte, die von künstlichen Pflanzen überwuchert sind.
Zwischendurch landet man immer wieder in einem Schutzraum, der als Speicherpunkt dient und es erlaubt, sich auszurüsten oder Upgrades vorzunehmen. Die dafür benötigten Materialien findet man in den Leveln, teilweise gut versteckt. Im Schutzraum kann man außerdem Trainingsmissionen absolvieren, die ein netter Bonus sind und teilweise recht herausfordernd werden, wenn man alle Ziele erfüllen möchte.
Nach Abschluss der Handlung kann man entweder ein „New Game Plus“ starten oder die Level erneut besuchen, um wirklich jeden Sammelgegenstand einzusammeln. Dadurch schaltet man zusätzliche Herausforderungen frei, und wenn man diese alle erledigt hat, erhält man eine neue Waffe und kann das geheime Ende freischalten – eine kleine Szene, die einen möglichen Nachfolger anteasert.
Das Spiel ist insgesamt sehr klassisch aufgebaut und hat mir gerade deshalb gut gefallen, weil es schnörkellos bleibt und kaum unnötigen Ballast enthält.
Grafisch sieht es sehr schick aus, läuft technisch einwandfrei, und auch Soundtrack sowie Synchronisation sind sehr gelungen.
Insgesamt ein wirklich schöner Titel und ich bin gespannt, ob und was Capcom hier noch nachlegt.